Fachinformationen

Zeckenschnelltest auf Borrelien

Während der Sommermonate kommt es vermehrt zu Infektionen mit Borrelia burgdorferi. Durch eine molekulargenetische Untersuchung der Zecke ist es seit einiger Zeit möglich, eine Infektionsgefahr nach Zeckenkontakt weitestgehend auszuschließen und dem Patienten somit eine unnötige Antibiotikatherapie zu ersparen.

Der Weg der Infektion

Zecken, bei uns meist Holzböcke genannt, sind Blut saugende Parasiten der Tiere und des Menschen. In Europa ist der Holzbock weit verbreitet. Laub- und Nadelwälder mit vielen Büschen und Sträuchern als Unterholz sind die bevorzugten Aufenthaltsorte der Zecken. An hohen Gräsern, Farnen und niedrigen Zweigen sitzen die Zecken und warten auf einen Wirt. Kommt ein Tier oder Mensch vorüber, werden sie abgestreift oder lassen sich auf ihren Wirt fallen und klammern sich fest. Die Aktivität der Zecken erstreckt sich mit Ausnahme der kalten Jahreszeit über das ganze Jahr. Zecken müssen Blut saugen, um zu überleben. Während des Blutsaugens können Borrelien aus dem Blut befallener Tiere von den Zecken aufgenommen werden und sich in ihnen vermehren. Somit werden sie zum Reservoir und Überträger. Bei den nachfolgenden Zeckenstichen können die Krankheitserreger mit dem Speichel der Zecke auch an den Menschen weitergegeben werden.

Nicht jeder Zeckenstich führt zur Borreliose

Glücklicherweise kommt es nicht nach jedem Zeckenkontakt zu einer Infektion mit Borrelia burgdorferi. Voraussetzung hierfür ist nicht nur eine Infektion der Zecke mit dem Erreger. Es müssen während des Saugvorgangs auch genügend Erreger in den menschlichen Blutkreislauf übertragen worden sein. War die Zecke nicht mit Borrelien infiziert, ist eine Übertragung auf den Menschen ausgeschlossen.

Symptome einer Infektion

Im Frühstadium kann sich nach 1 bis 3 Wochen um den Zeckenstich herum eine charakteristische Hautrötung (Erythema chronicum migrans) ausbreiten. Dieses Erythem stellt meist eine Blickdiagnose dar und bildet zusammen mit einem anamnestischen Zeckenkontakt eine Behandlungsindikation zur Vermeidung von Spätkomplikationen.

Leider bleibt dieses Frühstadium häufig unerkannt. Ohne Behandlung kann Wochen bis Monate nach Rückbildung des Erythems ein zweites Erkrankungsstadium auftreten. Es besteht aus einem Symptomenkomplex mit schmerzhafter Entzündung von peripheren Nerven bzw. Nervenwurzeln und Gehirnnerven (Meningoneuroradikulitis, Bannwarth-Syndrom). Häufig sind die Gesichtsnerven (Fazialisparese) sowie Nerven der Arme und Beine geschädigt. Diese Symptome können sich zurückbilden und später schubweise wieder auftreten.

In einem dritten Stadium (ca. 6 Monate nach Infektion oder später) können Beschwerden an den Gelenken auftreten, wobei insbesondere Knie– und Sprunggelenke betroffen sind. In verschleppten oder unerkannten Fällen können noch nach Jahren Entzündungen der Haut (Arcodermatitis chronica atrophicans), sowie chronische Entzündungen im Rückenmark auftreten, die mit einer multiplen Sklerose verwechselt werden können.

Schnelltes

Wurde ein Patient von einer Zecke gestochen, können Sie mit Hilfe des Zeckenschnelltests im Labor untersuchen lassen, ob diese Zecke von Borrelien befallen war. Die Untersuchung erfolgt mit der Polymerase-Kettenreaktion, einer modernen und sicheren molekularbiologischen Methode. Dafür ist es nicht wichtig, ob die Zecke noch lebendig ist oder nicht.

Vorgehensweise

Die Zecke mit einer Spezialpinzette oder einer Zeckenkarte vorsichtig unter gleichmäßigem Zug aus der Haut entfernen. Die Zecke nicht quetschen, da dann erst recht Erreger übertragen werden können! Die Zecke vollständig (komplett oder alle Einzelteile) in einen verschließbaren Kunststoffbeutel geben und diesen gut verschließen. Das Ergebnis liegt in aller Regel 1 - 2 Tage nach Eingang der Zecke im Labor vor. Ein negatives PCR-Ergebnis schließt ein Infektionsrisiko mit Borrelien aus. Wenn aber doch Erreger nachgewiesen werden, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt überlegt werden, ob eine Blutuntersuchung, eine vorbeugende antibiotische Behandlung oder nur eine aufmerksame Beobachtung angezeigt ist.

Kosten für eine Abklärung des Infektionsrisikos

Leider ist die Untersuchung der Zecke auf Borrelien keine Kassenleistung, obwohl das resultierende Ergebnis durchaus eine therapeutische Relevanz besitzt. Die Kosten für die Untersuchung der Zecke mittels PCR auf Borrelien müssen daher vom gesetzlich Versicherten als individuelle Gesundheitsleistung selbst getragen werden und belaufen sich auf 29,14 € plus 2,50 € Materialkosten, also insgesamt 31,64 €.

Hameln, den 04.06.2012

gez. Dr. Ludwig Grüter         gez. Dr. Andrea-M. Samady       gez. Dr. Hans-Martin Groß

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