Fachinformationen

Nierenfunktionsmarker bei chron. Nierenerkrankung

Funktionen der Niere sind die Exkretion endogener Stoffwechselprodukte und Fremdstoffe,
Eingriff in die Regulation von Mineral- und Wasserhaushalt sowie Säure- und Basenhaushalt. Daneben spielt die Niere in der Regulation von Blutbildung, Blutdruck und Blutvolumen sowie im Vit.D – und im Calcium-Phosphat-Stoffwechsel als endogenes Organ eine Rolle. Die chron. Nierenerkrankung (CKD) manifestiert sich in erniedrigter glomerulärer Filtrationsrate GFR und in der Proteinurie. Die glomeruläre Filtrationsrate GFR gilt als bester Parameter zur Kontrolle der exkretorischen Funktion und vermittelt dabei für die gesamte dargestellte Funktionsvielfalt der Niere den besten Überblick. Die genaue Messung der GFR erfolgt als Messung der Inulin-Clearance. Sie ist aber im klinischen Alltag nicht praktikabel und wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Man behilft sich mit Schätzung der GFR und erhält so die eGFR (errechnete GFR).
Die jahrzehntelang durchgeführte Creatininclearance liefert keine absolut zuverlässigen Werte. Abgesehen von Compliance-Problemen bei den Patienten wird die GFR aufgrund tubulärer Sekretion von Creatinin überschätzt. Schätzwerte, die mittels Schätzgleichungen die non-renalen Einflüsse auf den Messparameter eliminieren, sind besser als die Creatinin-clearance.

Als Messparameter kommen das Creatinin im Serum und das Cystatin C im Serum in Frage:

  • Das Serumcreatinin erfasst nach neueren Studien sehr gut die Veränderung der Nieren-funktion. Schon eine im Referenzbereich stattfindende Veränderung des Creatininwertes kann eine beginnende Nierenerkrankung anzeigen.Creatininbasierte Schätzung der GFR:
    Mit Hilfe der CKD-EPI-Formel werden Einflüsse von Alter, Geschlecht und Hautfarbe relativiert.
    Weitere mögliche Einflüsse, wie z. B. Zufuhr von Kreatin (im Fitnesscenter), extensivem Fleischkonsum oder vegetarischer Kost oder verminderter Muskelmasse können zu un-plausiblen Creatininwerten führen.

  • Das Cystatin C gibt die Nierenfunktion besser wieder als das Serumcreatinin, denn die non-renalen Einflüsse sind nicht ganz so ausgeprägt.Cystatin C basierte Schätzung der GFR:
    Einflüsse wie Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Diabetes und Entzündungen sind vorhanden, aber nur in geringem Maße. Wichtig: Unter Glukokortikoidtherapie kann Cystatin C als Nierenparameter herangezogen werden.

 Proteinurie/Mikroalbuminurie:

Bei eingeschränkter GFR ist die Mikroalbuminurie für das kardiovaskuläre Risiko sehr aussagekräftig. Statt 24 Std. Sammelurins auf Mikroalbumin kann ebenso der Albumin/ Creatinin – Quotient aus Spontanurin bestimmt werden. Studien haben nachgewiesen, dass die Aussagefähigkeit gleich ist.
Bewertung:

Albumin [mg/l] / Creatinin [g/l] = mg Albumin pro g Crea

30 – 300 mg Albumin pro g Crea     à        Mikroalbuminurie
> 300 mg Albumin pro g Crea     à        Proteinurie

Therapeutisches Fazit:

Proteinurie und eGFR stellen zwei verschiedene Manifestationsformen der chronischen Nieren-erkrankung dar.

  •  Bei erniedrigter GFR ist die Dosis von Medikamenten anzupassen und die Verabreich-ung nephrotoxischer Agenzien zu minimieren.
  •  Bei Albuminurie ist die Verabreichung von ACE-Hemmern/ARB geboten und eine kon-sequente Blutdrucksenkung angezeigt.

Diagnostisches Fazit:

Das Labor gibt bei Serumcreatinin die CKD–EPI–Formel und bei Cystatin C die entsprechende Formel mit auf dem Befund an.
(Die etwas ältere MDKD-Formel hat sich in Studien der CKD – EPI – Formel als unterlegen erwiesen. Man sollte sich an den Schätzwerten nach CKD–EPI–Formel halten.)

Bei Patienten, bei denen aus o.g. Gründen das Serumcreatinin unplausibel ist, sollte das Cystatin C angefordert werden. Das Labor gibt den Cystatin C basierten Schätzwert auf dem Befund mit an.

Das Labor gibt bei Bestimmung von Albumin und Creatinin aus Urin den Quotienten auf dem Befund mit an. Die Laboranforderung muss dafür Albumin und Creatinin enthalten.

Die 24 Stunden Urinsammlung braucht in beiden Fällen nicht mehr durchgeführt zu werden.
Sie sollte aus diesem Grund dem Patienten nicht mehr zugemutet werden.
Damit entfallen zugleich auch Messwerte, die aus fehlerhafter Sammlung entstehen.

Die Erkenntnisse über die Nierenfunktionsmarker ergeben sich aus Studien, die von Lorentz Risch, Bern im Diagnostika Update 2011 und 2012 und im med Update vorgestellt worden sind.

Hameln, den 03.05.2012    

gez. Dr. Andrea-M. Samady         gez. Dr. Ludwig Grüter       gez. Dr. Hans-Martin Groß

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