Fachinformationen

IL28B-Genotypisierung zur Prognose des Therapieerfolgs bei chronischer Hepatitis C-Virus (HCV) Infektion

Medizinisch-wissenschaftlicher Hintergrund

Die Ansprechrate der Interferon alpha (IFNa/Ribavirin (PEG-IFNa/RBV) Standard­thera­pie bei chronischer HCV-Infektion ist von zahlreichen virus- und patienten­spezifischen Faktoren abhängig. Insbeson­dere der HCV-Genotyp, die initiale Virus­last, die Ethnizität sowie Alter und Geschlecht des Patienten beeinflussen den Therapie­erfolg. Die antivirale Behand­lung ist zudem kosten­intensiv und oft neben­wirkungs­reich, so dass valide Konzepte zur Etablierung optimierter und individuali­sierter Therapie­strategien zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Kürzlich gelang es internationalen Therapiestudien definierte Einzelnukleotid-Poly­morhismen (Single nucleotide polymorphism, SNPs) auf Chromosom 19 im Umfeld des IL28B-Gens zu identifi­zie­ren, deren individueller Allelstatus signifikant mit dem Erfolg der PEG-IFN a/RBV-Therapie assoziiert ist.

Hiernach weisen HCV1-Patienten mit dem IL28B-Genotyp rs12979860 C/C ein signi­fi­kant erhöhtes dauerhaftes virologisches Ansprechen (Sustained virological response, SVR), sowie eine signifikant höhere Rate an spontaner HCV-Clearance auf, als Patienten mit dem T/T Genotyp. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts (2009) haben homozygote Träger des C-Allels (C/C) eine signifikant hohe SVR (ca. 80%), während die SVR bei Patienten mit hetero­- bzw. homozygotem Nachweis des T-Allels (C/T bzw. T/T) nur etwa 30% beträgt. Ebenso sind das T-Allel des SNP rs8099917 (IL28B-Genotyp T/T) und das A-Allel des SNP rs12980275 (IL28B-Geno­­typ A/A) mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Therapie­erfolgs assoziiert.

Vermutlich beeinflusst der individuelle SNP-Status die antivirale Wirkung des INFa über die Erhöhung der Interferon-l-3 Expression.  Mit der IL28B-Genotypisierung steht daher ein innovativer Prognosemarker zur Behandlung der Hepatitis C zur Verfügung.

Genotyp rs12979860
Chromosom 19

spontane HCV-Clearance1

Dauerhaftes Ansprechen einer antiviralen Therapie (SVR)2

C/C

51,8 – 53,0 %

ca. 55 – 80 %

C/T

27,8 – 33,0 %

ca. 20 – 40 %

T/T

20,8 – 31,4 %

ca. 20 – 35 %

Indikation:
Als künftige Einsatzgebiete des Tests auf den IL28B-Genotyp sind die Steuerung der antiviralen Therapie oder die Indikationsstellung einer Wiederholungs­therapie vorstellbar. Im Rahmen klinischer Therapiestudien dürfte der IL28B-Genotyp zum Abgleich der Patientenkollektive unverzichtbar sein.

Methode:
Real-time PCR-Diagnostik zum Nachweis individueller IL28B-Geno­typ-Varianten bei HCV-Infektion (SNPs rs12979860, rs8099917 und rs12980275)

Material:
2 ml EDTA-Blut

Erfolgt die Abrechnung nach EBM wird ein Laborabrechnungsschein Muster 6 benötigt sowie grundsätzlich eine Einwilligungserklärung für humangenetische Unter­suchungen. Die Abrechnung fällt unter das Kapitel 11 (humangenetische Leistungen) und belastet nicht das Laborbudget.

Literatur:

  1. Tanaka et al. Genome-wide association of IL28B with response to pegylated interferon-? and ribavirin therapy for chronic hepatitis C Nature Genetics 2009; 41: 1105-1109.
  2. Suppiah et al. IL28B is associated with response to chronic hepatitis C interferon- and ribavirin therapy. Nature Genetics 2009; 41:1100-04.
  3. Ge et al., Genetic variation in IL28B predicts hepatitis C treatment-induced viral clearance. Nature 2009; 461: 399-401.
  4. Thomas et al., Genetic variation in IL28B and spontaneous clearance of hepatitis C virus Nature 2009; 461: 798-801

Hameln, den 10.10.2011

gez. Dr. Ludwig Grüter         gez. Dr. Andrea-M. Samady       gez. Dr. Hans-Martin Groß

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